Aller Anfang ist...LANG...


Mein erster Blog...mit 43...auch nicht schlecht!!

 

 

Da ich aber eine gläubige Vertreterin des Peter(Petra) Pan-Syndroms bin,nutze ich jetzt malbewusst die virtuelleWelt und die vielfältigen Möglichkeiten dieses faszinierenden Mediums...

 

Ich mache das hier allerdings nicht aus Spass,oder gar Langeweile (ich glaube dieses Gefühl kennen Mütter und Hausfrauen nur vom hörensagen ;P)

 

Ich habe unglaublich viel aus meinem Leben zum Aufarbeiten und schreibe eigentlich schon immer,also seit ich schreiben kann.

 

Meinen ersten eigenen Song in meiner Muttersprache Ungarisch hab ich mit vier Jahren komponiert

 

Übersetzt zeigt schon die erste Textpassage meinen Gemütszustand:

 

"Menschen und Tiere sind in der Tat sehr,sehr traurig und weinen den ganzen lieben Tag, denn der böse Peter hat ihnen kräftige Fusstritte verpasst,sodass sie alle die Strasse entlang humpeln...usw..."

Tja,das von meinem vierjährigen Ich als Erwachsene zu lesen, stimmt mich unendlich traurig,verwundern kann es mich allerdings kaum.

 

Ich verbrachte meine Tage schon seit meiner frühen Kindheit mit einer lieblosen Stiefmutter,die mein Vater,damals quasi als "Ersatzmutter"geehelicht hatte,um sich die Kosten für eine Tagesmutter zu sparen.

 

Ja,mein Papa war nicht nur ein cleverer Geschäftsmann,sondern leider auch ein ausgewachsener Geizkragen und obwohl ihm die Zeit für ein kleines Kind gefehlt hat,hat er sich das Sorgerecht für mich erkämpft.

 

Im nachhinein betrachtet und nach vielen schmerzhaften Gesprächen und Konfrontationen mit meiner Mama habe ich erkennen müssen,dass es meinem ,von mir über alles geliebten Papa einzig und allein um eiskalte Rache an meiner,damals blutjungen und naiven Mutter ging.

 

Er hatte sie damals ,als er bereits 46 Jahre alt und ein doppelter Doktor und aufstrebender business-man war, 19-jährig in einem kleinen Nest in Ungarn entdeckt und sie solange umgarnt,bis sie ihm verfallen war.

 

Meine Mum war damals ein "Mannequin",diese Berufsbezeichnung in meiner Geburtsurkunde hiess nichts anderes,als dass sie ein Model war,zumindest heute,als eines bezeichnet werden würde.

 

Sie heiratete meinen Papa sehr schnell und er nahm sie sodann nach Wien mit und verhalf ihr nicht nur zur Überquerung des eisernen Vorhanges, sondern bezahlte ihr auch die Ausbildung zur Diplomkosmetikerin und Einzelhandelskauffrau. Meine Mum war immer schon extrem ehrgeizig und zielstrebig,sie schaffte es auch in einer schier affenartigen Geschwindigkeit Deutsch zu lernen und sich zu integrieren.

 

Als sie dann aber mit 25 Jahren unerwartet schwanger wurde,war mein Papa, der schon sehr lange einen Kinderwunsch hegte,quasi in himmlischen Sphären,vor lauter Glücksgefühlen,meine Mum allerdings sah ihre in Kinderschuhen steckende Karriere zeitlupenhaft den Bach runtergehen,mal abgesehen davon,dass es damals noch nicht en vogue war,als Model schwanger abgelichtet zu werden,geschweige denn damit gutes Geld zu verdienen.

 

Natürlich konnte ihr mein Papa locker ein Leben ohne Arbeit ermöglichen und sie hätte in Saus und Braus als Hausfrau und Mutter sein Geld mit beiden Händen aus dem Fenster werfen können,doch,wie schon erwähnt,meine Mutter war schon damals in den 70-ern sehr emanzipiert und wollte schlicht und ergreifend ihre eigene Karriere weiterpushen.

 

Tja,ein Dilemma,welches sich zum Debakel hochschaukelte,als mein Vater sie gerade noch rechtzeitig aus dem Wartezimmer eines Gynäkologen holte,wo sie darauf wartete,zu einer Curettage hereingeholt zu werden. Mein Vater war ausser sich und brachte sie zu ihrer Mutter ins Haus in Ungarn,wo sie sich zusammensetzten,um eine Lösung für das "Problem",ergo,mich,zu finden.

 

Meine Oma erklärte sich sehr bald bereit,meiner Mutter alle mütterlichen Pflichten abzunehmen und mein Vater sicherte ihr dafür ein Salär zu,was sie zu den damaligen kommunitischen Verhältnissen zu einer sehr wohlhabenden Frau werden liess.

Mein Vater setzte zwar seinen Kinderwunsch radikal durch,doch meine Mutter war noch sehr jung und wollte auch noch nebenbei als Model arbeiten und auch nach der Geburt so ein Zubrot zu verdienen.Das konnte sie aber nur schwer umsetzen,wenn ihr Gewicht nicht in einem gewissen Rahmen blieb,so griff sie,sogar auf Anraten eines Arztes zu Schlankheitspillen.

Man darf das aber im nachhinein betrachtet gar nicht so verwerflich finden,war doch damals die Sicht auf Medikamentengebrauch in der SS und die perinatale Entwicklung noch nicht auf dem gleichen Stand,wie heute.In etwa der gleichen zeitlichen Periode wurde auch Contergan munter verabreicht,das Medikament,welches in die Geschichte einging als das Mittel,welches Babies mit verkümmerten Gliedmassen hervorbrachte.

Tja,auch in der Medizin gilt leider das Prinzip "Learning by doing",man bedenke,dass noch in den 90ern heroinabhängige Schwangere,welche sich an medizinische Einrichungen wandten,auf Methadon eingestellt und bis zur Geburt sukzessive runterdosiert wurden. Mittlerweile hat sich in der Behandlung süchtiger Schwangerer herausgestellt,dass ein körperlicher Entzug in der Schwangerschaft für das Ungeborene gefährlich sein kann und zu Abgängen und Frühgeburten führen kann.

Daher ist man seit längerem dazu übergegangen die Frauen in ein Substitutionsprogramm aufzunehmen,sie weitgehend zu stabilisieren,etwaigen Zusatzkonsum zu beenden und sie auf eine Erhaltungsdosis einzustellen,die nicht reduziert,sondern bis zur Geburt beibehalten,in Einzelfällen sogar erhöht werden kann.

Ziel ist es durch die Stabilität der Mütter die Gesundheit der Ungeborenen zu gewährleisten und durch engmaschige Betreuung und die passende Medikation kann auch ein postnatales Entzugssyndrom verhindert,bzw.zumindest abgeschwächt werden.

Wien,vor allem das AKH hat auf diesem Gebiet echte Pioniersarbeit geleistet und es geschafft,dass diese Frauen auch nach der Geburt in den meisten Fällen stabil bleiben und die Babies bei ihren leiblichen Müttern bleiben können.

Tja,das war also ein kurzer Exkurs,der mir als Embryo aber nichts gebracht hat,ich denke dass mir durch den Medikamentengebrauch meiner Mutter eine Affinität zur Sucht,vielleicht auch zur Ess-Störung geblieben ist.

Aber es wird auch einen guten Anteil dazu beigetragen haben,dass sich meine Eltern schon als ich 2 Jahre alt war scheiden liessen,da sich meine Mutter in meinen heutigen Papaersatz,seit mein Papa 2000 verstarb,verliebte und meinen Vater in seiner Ehre zutiefst gekränkt zurückliess und die Scheidung einreichte.

Dies und eine gesunde Portion männlicher Egozentrismus bewog ihn eben damals dazu, sich das Sorgerecht für mich zu erkämpfen und meine kommende Stiefmutter als kostenlose Nanny zu ehelichen.

Diese Frau hasste mich tatsächlich von Anfang an und nutzte den für sie glücklichen Umstand,dass mein Vater quasi immer auf Geschäftsreisen war, dazu ,kräftig Alkohol zu konsumieren und die mangelnde Liebe meines Vaters zu ihr, an mir ,damals wehrlosen Kind auszulassen und mich sträflich zu vernachlässigen,also nicht auf meine Sauberkeit zu achten,mir kaum etwas zu essen zu geben und mich zu jeder Tages-und Nachtzeit zu verprügeln,oder mich Strafe knieen zu lassen

Sie war äusserst erfinderisch darin,mich ihren Hass täglich spüren zu lassen.Leider dauerte meinMartyrium viele Jahre und als ich mich das erste mal traute,meinem,von mir sehr geliebten Papa davon zu erzählen,glaubte er mir erstmal nicht. Es sollte noch ca. ein Jahr dauern,bis ein befreundetes Ehepaar Zivilcourage bewies und es ihm unmissverständlich klarmachte.

Er trennte sich natürlich sofort von meiner Stiefmutter und sie zog noch am selben Tag mit meinem Halbbruder aus,doch was half mir das noch?!

  Denn gut zu wissen ist das alles ja,aber im nachhinein betrachtet hilft es mir kaum,da ich kein Fan von Freuds therapeutischen Ansatz bin,sondern mein Seelenheil eher in der problemorientierten Verhaltenstherapie suche.

Zumindest bei meinen Panikattacken hat es mir schonmal geholfen,aber wegen dem Wiederauftreten meiner Magersucht ist mein Therapeut bis heute recht ratlos,da ich einfach nicht zunehmen möchte,obwohl alles dafür spricht.

Was ist denn bitte schön auch tatsächlich erstrebenswert daran,sich auf das Gewicht einer 11- jährigen runterzuhungern,keine Periode mehr zu haben, ständig zu frieren und dann auch noch ständig dieser HUNGER!!!

Aber ich komme nicht an gegen den Teufel auf meiner Schulter,der mir nach jedem Bissen,den ich zu mir nehme,ein schlechtes Gewissen einredet...dieses Gefühl ist eben stärker, als die Sorgen meiner Familie,die traurigen Blicke meiner Kinder,die Tränen ihrer Omas und die Ratlosigkeit meines Mannes,dass es mir scheinbar nichts ausmacht,dass er mich körperlich schon lange nicht mehr anziehend findet...

Er sieht,wenn er mich anschaut keine begehrenswerte,selbstsichere Frau,sondern einen knochigen Schatten meiner Selbst.

Aber,eine stationäre Aufnahme...Ha!

Aber darüber erzähle ich in meinem nächsten Eintrag,das muss fürs Erste reichen...

Alles Liebe euch allen da draussen und lasst es euch schmecken!!!

 

18.11.13 12:14

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Jojo / Website (18.11.13 12:32)
Hört sich schlimm an! Wie gehts dir in Moment?

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